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Venedig Kultur

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Kultur


Einleitung

Die venezianische Kulturszene lebt von den Überresten ihrer glaenzenden Vergangenheit. Die Heimatstadt von Vivaldi war im 16. Jahrhundert das Zentrum der abendlaendischen Musik. Heute unterhalten Musiker in historischen Kostuemen Besucher mit Kostproben barocker Musik in oertlichen Kirchen und auf dem Markusplatz wetteifern diverse Streichquartette um die Aufmerksamkeit der Touristen. Die Heimat der venezianischen Oper und des Schauspiels, das Theater La Fenice, wurde 1996 durch einen Brand zerstoert, originalgetreu wieder aufgebaut und Ende 2003 wieder eroeffnet. Die goldenen Zeiten des venezianischen Theaters sind lange vorbei, als der aeußerst produktive Dramatiker Carlo Goldoni 16 Stuecke pro Jahr schrieb und die Kritiker zu Begeisterungsstuermen hinriß.

Die Theaterszene ist heute eher konservativ und hauptsaechlich darum bemueht, zahlungskraeftige Touristen anzuziehen. Aufgrund der abnehmenden Einwohnerzahl und der Abwanderung der jungen Leute aus der Stadt gibt es so gut wie keine heimische Theaterszene. Venedig ist statt dessen auf auswaertige Kuenstler angewiesen, um Leben in die Kulturszene zu bringen. Nur die Filmkunst ist auf der Hoehe der Zeit, wenn jedes Jahr im September La Serenissima die Reichen und Schoenen zum Internationalen Filmfestival in Venedig willkommen heißt.

Ein Verzeichnis kultureller Veranstaltungen (auf Italienisch) findet man im Internet (www.doge.it und www.regione.veneto.it/cultura).

Film

Die Stadt war Schauplatz vieler beruehmter Filme, darunter Luciano Viscontis Tod in Venedig (1971), Nicholas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) und der Verfilmung von Henry James Roman Die Fluegel der Taube (1997).

Die Accademia, Calle Gambera, Dorsoduro (Tel: (041) 528 77 06), ist eines von Venedigs aeltesten und beliebtesten Kinos mit einer vielfaeltigen Auswahl an Filmen, von amerikanischen Kassenschlagern bis zu kuenstlerisch anspruchsvollen europaeischen Filmen unabhaengiger Filmemacher (besonders mittwochs und donnerstags). Kuerzlich wurde es jedoch in der Beliebtheit von dem brandneuen Giorgione Movie Dessai, Cannaregio 4612, Rio Tera de Franceschi uebertroffen, einem Kino mit zwei Leinwaenden und ueber 300 Sitzen, das jeden Donnerstag Filme in englischer Sprache zeigt.

Kulturelle Veranstaltungen

Zwei kulturelle Festivals dominieren den venezianischen Kalender die Biennale und das Filmfestival von Venedig. Das Filmfestival war urspruenglich von Mussolini 1932 ins Leben gerufen worden, um Italiens gestiegene Bedeutung in der Welt zu propagieren, und ist trotz des eher unscheinbaren Einflusses des italienischen Films das zweitwichtigste Filmfestival der Welt nach Cannes. Das cineastische Karussell findet Ende August am Lido statt und dauert zehn Tage. Paparazzi, Regisseure und Filmstars und -sternchen geben sich ein Stelldichein. Im Mittelpunkt des Festivals steht der Goldene Loewe (Leon dOr), die hoechste Auszeichnung der Filmfestspiele. Filme werden im Palazzo del Cinema, Lungomare G Marconi, und im Astra, Via Corfu, gezeigt; Karten sind nur durch Anstehen in der Schlange an den beiden Veranstaltungsorten erhaeltlich. Ein Veranstaltungsprogramm wird im voraus vom Fremdenverkehrsbuero herausgegeben. Die Biennale (Internet: http://www.labiennaledivenezia.net) ist ein Forum fuer zeitgenoessische Kunst, das von jungen Kunstrebellen aus aller Welt besucht wird. Von fruehen italienischen Futuristen wie Marinetti ueber den amerikanischen Pop-Art-Kuenstler Robert Rauschenberg und den Fotografen der Benetton Anzeigenkampagne, Oliviero Toscani, zieht die Biennale umstrittene Kuenstler an und foerdert die oeffentliche Diskussion ueber zeitgenoessische Kunst in den zahlreichen Veranstaltungen, die das ganze Jahr ueber stattfinden.

Literarische Anmerkungen

Venedig hat so gut wie keine bekannten Schriftsteller hervorgebracht, aber viele auswaertige Autoren wie beispielsweise Henry James haben die Stadt in ihren Werken verewigt. William Shakespeare waehlte Venedig als Schauplatz seiner Dramen Othello und Der Kaufmann von Venedig. Thomas Manns Meisterwerk, Tod in Venedig (1912), ist eines der beeindruckenden Portraets der Stadt um 1900. Weitere Buecher, die Venedigs einzigartige Atmosphaere einfangen, sind Ian McEwans The Comfort of Strangers (1981), Frederick Rolfes The Desire and Pursuit of the Whole (1986) und James Cowans A Mapmakers Dream (1996), in dessen Mittelpunkt eine beruehmte Landkarte in der Libreria Sansovino steht. Aktuellere Werke sind Margaret F Macdonalds Palaces in the Night (2001), das von dem Aufenthalt des Malers Whistler in Venedig handelt, und David Rosands Myths of Venice The Figuration of a State (2001).

Musik

Das Gran Teatro La Fenice in Venedig - eines der beruehmtesten Opernhaeuser der Welt - wurde Ende 2003 wieder eroeffnet, nachdem es fast acht Jahre zuvor durch einen Brand nahezu voellig zerstoert wurde. Die Spielzeiteroeffnung begann im November 2004 mit Traviata.

Die Opernsaison in Venedig wird etwas vom benachbarten Verona ueberschattet, aber der Standard der musikalischen Auffuehrungen ist hoch. Karten kosten ab 15,50 € und sind am Veranstaltungsort zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn oder am mobilen Kartenbuero bei der Cassa di Risparmio di Venezia einer oertlichen Bankfiliale in Campo San Luca zwischen 08.30 und 13.00 Uhr erhaeltlich. Andere Veranstaltungsorte fuer musikalische Auffuehrungen in der Stadt sind u. a. die Frari-Kirche, San Polo 3003, die von Mai bis Oktober (außer August) jeden Freitag um 21.00 Uhr Konzerte anbietet, und La Pieta, Riva degli Schiavoni, Castello, die auch als Vivaldi-Kirche bekannt ist, da sie neben dem Ospedale steht, wo der Komponist unterrichtete. Es ueberrascht daher nicht, daß dies ein beliebter und geeigneter Ort fuer Darbietungen von Vivaldis Musik ist. Karten (um 18 €) sind an der Kirchentuer oder der Hotelrezeption erhaeltlich. Fuer ein ganz besonderes Kunst- und Musikerlebnis sollten Besucher Plaetze in der Scuola di San Rocca reservieren, wo die Accademia of San Rocco regelmaeßig Barockmusikkonzerte, gespielt auf zeitgenoessischen Instrumenten, auffuehrt. Karten kosten ab 26 € aufwaerts und koennen persoenlich vor Ort oder telefonisch (Tel: (041) 523 48 64) gebucht werden.

Tanz

Klassisches Ballett ist Teil des Spielplans im PalaFenice, Insel Tronchetto (Tel: (041) 61 27 67. Fax: (041) 61 22 63. Internet: www.teatrofenice.it), doch ansonsten gibt es nur wenige Tanzvorfuehrungen in Venedig. Der beste Veranstaltungsort fuer zeitgenoessischen Tanz ist das Teatro Fondamenta Nuove, Cannaregio 5313, Fondamenta Nuove (Tel: (041) 52 24 98. Fax: (041) 523 19 88), eine alte Tischler-Werkstatt mit guten Avantgarde-Vorstellungen.

Theater & Konzerte

Fuer jeden Anhaenger der venezianischen commedia dellarte gehoert ein Besuch des Teatro Goldoni, Calle Goldoni, San Marco (Tel: (041) 520 75 83. Internet: www.teatrogoldonive.it) zum Pflichtprogramm. Das wunderschoene Theater, das 1867 zu Ehren des beruehmten Dramatikers umbenannt wurde, bietet ein umfassendes Repertoire venezianischer Klassiker an, darunter die komoediantischen Werke Goldonis. Premieren sind meist lange im voraus ausverkauft und es empfiehlt sich, rechtzeitig Karten an der Theaterkasse vorzubestellen, die dann mindestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn abgeholt werden muessen, um nicht an der Abendkasse verkauft zu werden. Wer auf der Suche nach etwas alternativerem Theater ist, sollte das Teatro a lAvogaria, Corte Zappa, Dorsoduro (Tel: (041) 520 61 30), besuchen, das seit 1969 experimentelles Theater liefert. Der venezianische Professor Giovanni Poli, der 1979 verstarb, war die treibende Kraft in Sachen zeitgenoessisches Theater in Venedig und hat heute noch viele Anhaenger in der Stadt. Seinen revolutionaeren Ideen entsprechend, verkauft das Theater keine Eintrittskarten, sondern bittet um freiwillige Spenden der Zuschauer.



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