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Auckland
Veröffentlicht am Sonntag, 12.November 2006 um 13:05 Uhr
Thema: Neuseeland Reisen
Fast alle Wege nach Neuseeland führen über Auckland. Im Landeanflug auf die größte Stadt des Inselstaats nähern wir uns einem gigantischen Puzzle. Dessen Einzelteile - eine Unzahl von Inseln, Halbinseln und Landengen - liegen hingestreut in das Blau zweier Meere, der Tasmansee im Westen und des Pazifik im Osten. Und mittendrin noch ein Ozean: ein Häusermeer, das die grünen Kuppen erloschener Vulkane umspült. Die Kulturen Europas, Asiens und Polynesiens sind hier zuhause.
Downtown verbreiten himmelragende Glaspaläste weltstädtisches Flair; keine Fahrtstunde davon entfernt erwartet Urwald den Wanderer, und paradiesische Strände locken Surfer, Segler und Sonnenanbeter. Auckland bietet einfach das beste zweier Welten; das quirlige Leben einer dynamischen Metropole und den Traum von der Südsee.


Blick auf Auckland.
Foto: Tourism New Zealand

Auf dem Isthmus zwischen Hauraki-Golf und Tasmansee, der engsten Stelle der Nordinsel, siedelten schon vor über 1000 Jahren die ersten Maori. Sie lebten in Pas, befestigten Wehrdörfern, auf den Gipfeln der Vulkane, von denen nicht weniger als 60 im ganzen Stadtgebiet gezählt werden. Bei den andauernden Stammesfehden scheint es nicht allzu grausig zugegangen zu sein. Denn der Name, den sie dem Ort gaben, Tamaki makau rau, bedeutet “Die Schlacht der 100 Liebenden”. Auch den Pakehas, den Europäern, war die Gegend lieb und wertvoll - und zwar genau 55 britische Pfund, ein paar Äxte und Hosen sowie eine Tüte Zucker. Das war der Preis, den sie 1840 den Maori für den 1200 Hektar großen Küstenstreifen zahlten, an dem heute das ökonomische Herz Neuseelands schlägt. Über dieses Areal ist Auckland inzwischen weit hinausgewachsen. Die Stadt ist flächenmäßig die drittgrößte der Welt - dank des ausgeprägten Individualismus ihrer etwa einer Millionen Bewohner und deren Hang zum eigenen Heim.

Aucklands Zentrum an der Waterfront ist der ideale Ausgangspunkt, um sowohl die Stadt wie auch die vorgelagerte Inselwelt zu erkunden. Aber zunächst einmal bummeln wir über die Queen Street, die sich von der Hafenfront hügelan durch die ganze City zieht. In und um Aucklands Hauptgeschäftsstraße laden schicke Cafés, Boutiquen und Einkaufspassagen zum genießen und flanieren ein. Zu der reizvollen Mischung aus alter und moderner Architektur gesellt sich seit 1997 ein neues Wahrzeichen der Stadt: Harrah’s Sky City, ein 328 Meter hoher Wolkenkratzer, der unter anderem ein Spielkasino beherbergt sowie zahlreiche Bars und Restaurants. Das atemberaubende Panorama von der Aussichtsplattform erleichtert uns die Orientierung. Wer sich in anderen Stadtteilen einen ähnlich guten Überblick verschaffen will, erklimmt am besten den nächstgelegenen Vulkankegel, den Mount Eden etwa oder den markanten One Tree Hill.



Die Harbour Bridge.
Foto: Tourism New Zealand

An der Karangahape Road, am oberen Ende der Queen Street, begegnen wir einem bunten Völkergemisch. Vor allem Einwanderer von den Südseeinseln sind hier zuhause. Zusammen mit den Maori stellen sie 20 Prozent der Bevölkerung und machen Auckland zur größten polynesischen Stadt. Um mehr über die Welt der Maori zu erfahren, besuchen wir das Auckland Museum. Das imposante Haus im weitläufigen Park der Auckland Domain hütet die Schätze einer höchst lebendigen Kultur. Die Pounamou Maori Cultural Group führt hier täglich traditionelle Tänze und Gesänge ihres Volkes vor. Westlich der Auckland Domain hat sich die Kultur der ersten Pakehas am besten erhalten. Das viktorianische Viertel Parnell mit seinen Cafés, Restaurants und Boutiquen bildet einen erholsamen Kontrast zum geschäftigen Zentrum. Die Freuden des Nachtlebens erwarten uns dagegen im Stadtteil Ponsonby, in dem auch Aucklands Künstlerszene zuhause ist.

Am nächsten Tag gönnen wir uns einen Ausflug in die Tiefsee. Am Tamaki Drive, nur 6 Kilometer vom Zentrum entfernt, liegt Kelly Tarlton’s Under Water World, eines der außergewöhnlichsten Aquarien der Welt. Nicht die Meerestiere sind hier hinter Glas, sondern die Besucher. Durch 3 Meter hohe Plexiglasröhren wandern wir trockenen Fußes durch Neptuns Reich - Aug in Aug mit Haien, Muränen, Rochen und tausenderlei anderen Bewohnern der Weltmeere. Anfang der neunziger Jahre wurde das Aquarium um den Antarctic Encounter erweitert. Dort treffen wir auf Pinguine in echtem Schnee und Eis und atmen Entdeckerluft im originalgetreuen Nachbau der Hütte von Robert F. Scott, dem 1911 tragisch gescheiterten Südpolarforscher.



Schiffe vor Waiheke Island.
Foto: Tourism New Zealand

Der Geist der alten Seefahrer und Entdecker ist in Auckland allgegenwärtig. Nahezu jeder zehnte Einwohner nennt ein Boot sein eigen, und in den großen Naturhäfen der Stadt ankern fast 90.000 Segler aller Klassen.
Auf der Dreimastbark Soren Larsen etwa können auch Landratten ohne nautische Erfahrung mit Hand anlegen. Ob ein kurzer Ausflug oder ein mehrtägiger Trip zur Coromandel-Küste oder nach Great Barrier Island - die Fahrt mit dem Großsegler ist immer ein unvergessliches Erlebnis. Immer eine kurze Seereise wert sind auch Little Barrier Island, Tiri Tiri Matangi und Kawau - speziell für Tierfreunde. Denn auf den Inseln im Hauraki-Golf lassen sich einige der seltensten Vögel Neuseelands in ihrer natürlichen Umgebung beobachten: Kakas beispielsweise, kleine Blau-Pinguine, oder die flugunfähigen Kiwis und Takahes. Besonders reizvoll sind nächtliche Wanderungen mit orts- und vogelkundigen Führern wie sie z.B. von Adventure Cruising angeboten werden.

Aber bevor wir zu großer Fahrt in See stechen, gehen wir es erst einmal eine Nummer kleiner an - mit einer geführten Kayak-Tour von Auckland zur nahegelegenen Doppelinsel Rangitoto und Motutapu. In weniger als einer Stunde erreichen wir eine völlig andere Welt. Die unbewohnte Vulkaninsel stieg vor 600 Jahren aus dem Meer und ist heute von dichtem Grün überwuchert. Wer sich nicht selbst in die Riemen legen will, kann sich auch der Fähre - und der Führung - von Rangitoto Volcanic Explorer anvertrauen. Beim Aufstieg zum Gipfel des Vulkans beeindruckt uns am meisten der Anblick von Neuseelands größten Pohutukawa-Wald. Der “neuseeländische Weihnachtsbaum” blüht tatsächlich nur zur Sommerzeit und zwar in leuchtendem Rot. Daher stammt wohl auch der Maori-Name der Insel; Rangitoto bedeutet “Blutender Himmel”.
Nur 35 Minuten dauert die Überfahrt von Auckland nach Waikheke Island. Auch diese, von nur 5000 Menschen bewohnte Insel hat sich in unmittelbarer Nähe des urbanen Lebens ihren Südseecharme bewahrt: Grüne Hügel, weiße Sandstrände und türkisfarbene Lagunen laden zum wandern, radeln, baden oder segeln ein. Zu allem Überfluss gedeiht auf Waiheke Island auch noch einer der besten Rotweine Neuseelands. Bei einem Glas Cabernet Sauvignon von Stoneyridge Vineyard blicken wir auf einen ereignisreichen Tag zurück.

An seiner schmalsten Stelle misst der Isthmus von Auckland nicht einmal 3 Kilometer; und doch zeigen beide Küsten zwei völlig unterschiedliche Gesichter: heiter und sanft am Pazifik, wild, fast urweltlich und nicht weniger faszinierend an der Tasmansee. Nicht zufällig wählte Neuseelands bekannteste Regisseurin, Jane Campion, Karekare Beach als Drehort für ihren Oscar-gekrönten Film “Das Piano”. Wie an den anderen Stränden der Westküste erzeugen hier schwarzer Sand, unendliche Weite, haushohe Wellen, Dünen und Regenwald eine Atmosphäre ungestümer Wildheit.

Surfer finden hier geradezu ideale Bedingungen vor. Wer sicheren Boden unter den Füßen bevorzugt, kann das Hinterland bequem im Sattel - von Pferden oder Fahrrädern - oder auf Schusters Rappen erkunden. Und bei geführten Wanderungen gibt es einiges zu entdecken: z. B. die Klippen vor Muriwai Beach, wo von August bis April tausende von Tölpeln nisten; oder das Naturschutzgebiet der Waikatere Ranges auf der Landzunge zwischen dem Manukau Harbour und der offenen See. Hier findet sich einer der letzten, größeren Bestände von Kauri-Bäumen, bis zu 50 Meter hohe Riesen, die uns immer wieder staunen lassen.

 

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Quelle: Tourism New Zealand / bearbeitet von pairola-media


 
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