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Weihnachtstraditionen in Frankreich
Veröffentlicht am Montag, 06.November 2006 um 22:58 Uhr
Thema: Frankreich Reisen
Die Weihnachtszeit in der Provence ist einmalig. Traditionen haben sich wie nirgendwo anders erhalten und tiefgehendes Brauchtum wird im familiären Leben wie einst ausgelebt. Die heilige Zeit fängt am 4. Dezember mit Sankt Barbara an und endet am Tag der Drei Könige am 6. Januar. In dieser Zeit lebt die provenzalische Kultur mit Krippen, Santons, Mitternachtsmessen auf provenzalisch, Gesängen und Hirtenspielen auf.


Weihnachten in der Provence.
Foto: Maison de la France

Am Tag der heiligen Barbara werden in drei kleinen Schalen Weizenkörner auf getränkte Watte gesät und an einem warmen Ort aufbewahrt. Diese dienen am Weihnachtsabend mit einem roten Band als Tischdekoration und sind ein Symbol für die Ernte und Prosperität des nächsten Jahres. Die drei Schalen stehen für die Dreifaltigkeit und je höher der Weizen wächst, desto besser die nächste Ernte ausfällt.
Auch wenn die Weihnachtsmärkte in der Provence weniger zur Tradition gehören, mittlerweile gehören auch sie zu einem Anlass, der von vielen ungeduldig erwartet wird. Im ganzen Monat Dezember werden in provenzalischen Städten und Dörfern Marktstände und Hütten aufgestellt, in welchen man dann auch die ganzen Accessoires für den Weihnachtsabend und die kommende Zeit findet. Wie die typischen Krippenfiguren der Provence die man besser unter dem Begriff Santons kennt.


Während die Krippe selber von Franz von Assisi erfunden wurde, ist das Krippenbrauchtum in der Provence das Resultat der französischen Revolution. 1792 wurde nämlich unter der revolutionären Regierung jede religiöse Veranstaltung verboten. Die Kirchen blieben an Weihnachten geschlossen und wenn man weiss wie die Provenzalen an diesem Fest und den Traditionen hängen, so versteht man, dass sie den Stall von Bethlehem eigens anfertigten und ihn mit selbstgebauten Figuren ausstatteten. Allerdings ist die provenzalische Krippe eine Darstellung des ganzen Dorfes. Die heilige Familie ist biblisch gekleidet, jedoch die gabenbringenden Dorfbewohner - vor allem Vertreter des traditionellen Handwerks wie der Bäcker, der Müller, der Schäfer, der Weinbauer oder die Fischersfrau - sind in der jeweils ortstypischen Bekleidung der Region.
Aus der Notlösung wurde eine Tradition und schon 1803 fand der erste Santons-Markt in Marseille statt. Zum Schutz der echten "Santons" der Provence wurden Normen entwickelt und in einer Qualitäts-Charta sind auch die Kriterien für einen echten und würdigen Santons festgehalten.

Was wäre jedoch Weihnachten in der Provence ohne das "Gros Souper" vor der Mitternachtsmesse, wofür sich die ganze Familie in der Regel im Hause der Grosseltern versammelt. Dies beginnt mit dem traditionellen Anzünden des Holzscheits, auf provenzalisch "cacho fio". Das Holz muss von einem Obstbaum stammen und wird von einem Verwandten mitgebracht. Bevor man das Scheit anzündet, tragen es der Älteste und der Jüngste der Familie dreimal um den Tisch, besprengen es dreimal mit Wein und zünden es an. Damit wird das Kommen des Christkindes und die Wintersonnenwende angekündigt.


Das anschliessende festliche Abendessen oder "Gros Souper" besteht aus sieben Gängen, welche die sieben Sakramente symbolisieren. Die verschiedenen Gänge können je nach Region variieren, aber sind meistens Artischocken, Schnecken, Stockfisch, Meeräsche, Sellerie, Kichererbsen und Käse. Im bergigen Hinterland wird der Fisch durch eine Art Lasagne ersetzt. Das fleischlose Menü wird von den dreizehn Desserts (les treizes desserts) gefolgt: Trockenfrüchte, Nüsse, frisches Obst, weisser und schwarzer Nougat, Calissons - eine Spezialität der Provence, Geléefrüchte und die "Pompe à l'huile" eine Art Hefekuchen.


Interessant ist auch die Tischgestaltung. Auf einer Schicht aus drei weissen Tischtüchern liegen die drei Schälchen mit Barbara-Weizen und drei Kerzenständer mit weissen Kerzen, um die Dreifaltigkeit zu symbolisieren. Dreizehn Brötchen die das Abendessen begleiten, stehen, wie die dreizehn Desserts, für die 12 Apostel und Christus.
Die Mitternachtsmesse, in der das Lamm eine wichtige Rolle spielt, ist zweifelslos eines der bekanntesten Brauchtümer rund um die Weihnacht in der Provence. Man darf nicht vergessen, dass die Wintersonnenwende auch die Zeit des Lammens ist und wenn an der Mitternachtsmesse auch ein Lamm teilnimmt, ist dies, in einer Bevölkerung die hauptsächlich von der Schafzucht lebte, nicht verwunderlich. In der Hirtenzeremonie in Les Beaux nehmen Schäfer und Schäferinnen an der Prozession teil. Der Priester nimmt das jüngstgeborene Lamm vor dem Altar in seine Arme, erzählt von seinem weiten Weg, den es mit der Herde zurücklegte und weiht es dann. Die sogenannte "Pastrage" stammt aus den heidnischen Bräuchen für die Fruchtbarkeit und steht nunmehr symbolisch für die Erneuerung der Natur.
Während der Messe werden Lieder auf Prvovenzalisch gesungen, die "Noëls". In denen einheimische Dichter ihre religiöse Frömmigkeit und die lokalen Traditionen gleichzeitig wiedergaben. Sie werden in Dialogform gesungen und lehnen sich stark an das Krippenspiel an. Die bekanntesten sind von Nicolas Saboly (1614 - 1675).
Aber nicht nur weihnachtlicher Gesang gehört zur Mitternachtsmesse, auch die "Pastorale" oder das Hirtenspiel hat hier den angestammten Platz. Als echte Mysterienspiele wurden sie als Teil der Messe in der Kirche selbst gespielt. Später jedoch aus der Kirche verbannt. Die Pastorale haben meist die Geschichte der heiligen Familie und die Anbetung des Kindes zum Thema und sind meist in Provenzalisch gesprochen.

Die Weihnachtszeit wird mit den Heiligen Drei Königen abgeschlossen. Diese Krippenfiguren werden erst am 6. Januar in die Krippe gestellt. Wobei viele nicht warten können und sie direkt hinstellen, aber sie dafür jeden Tag ein bisschen näher zur Krippe rücken.
An diesem Tag darf natürlich auch der Königskuchen oder die "Galette des Rois" nicht fehlen. In diesem ist eine Bohne oder manchmal auch ein Porzellankönig versteckt. Wer diesen in seinem Stück Kuchen hat, ist der König des Tages und muss einen neuen Kuchen offerieren. Dies erlaubt wiederum, die heilige Zeit um ein paar Tage zu verlängern. Manchmal sogar den ganzen Januar.

 

 


 

Quelle: Maison de la France / bearbeitet von pairola-media


 
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