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Algarve – mehr als Sonne, Strand und Sardinen
Veröffentlicht am Samstag, 18.März 2006 um 08:05 Uhr
Thema: Portugal Reisen
Al Gharb – der Westen. So nannten die Mauren einst die westlichste Provinz ihres Reiches, die sie rund 500 Jahre lang durch die Regentschaft entscheidend prägen sollten. Noch heute finden sich in Architektur und Sprache an der Algarve nachhaltige Spuren des maurischen Einflusses. So deuten die vielen Ortsnamen der Region, die mit „al“ beginnen, auf den arabischen Ursprung hin.

Beeindruckendes architektonisches Beispiel: Silves, das stille Städtchen etwa 20 Kilometer nördlich der lebhaften Handels- und Hafenstadt Portimão, träumt in seinen verwinkelten, steilen Gassen immer noch von seiner großen Vergangenheit. Denn damals war es bedeutender als Lissabon – die Mauren hatten es im 12. Jahrhundert zum wichtigen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zentrum ausgebaut. Stolz zeugt die dominante Burg aus rotem Sandstein, die über Silves thront, von der einstigen Macht der kleinen Stadt am Rio Arade.


Die Marina von Faro.
Foto: António Sacchetti / ICEP Frankfurt

Die Algarve, Portugals südlichste Küste, ist für zahlreiche Gäste – besonders auch aus Deutschland – längst zum Inbegriff des unbeschwerten Strand- und Badeurlaubs geworden. Kein Wunder: Selbst im Hochsommer, wenn das Thermometer schon mal über 30 Grad klettert, lässt der kühlende Wind vom Atlantik die Temperaturen angenehm erscheinen, und es findet sich für jeden ein geruhsames Plätzchen am Strand. Für Wiederholungstäter ein schier unerschöpfliches Hobby: das Sammeln von Stränden, denn die unzähligen großen und kleinen Buchten, die von bizarrem, leuchtend roten Felsen begrenzt werden, laden mit ihrem feinen, goldgelben Sand und dem glasklaren türkisfarbenen Wasser geradezu zu Entdeckungsfahrten ein.

Doch auch im Winter erfreut sich die Algarve steigender Beliebtheit – und dies nicht nur bei den Golfern, die hier optimale Bedingungen auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Plätzen vorfinden. Dank des milden Klimas – die Temperaturen liegen durchschnittlich zwischen 15 und 20 Grad – kann man sich im Februar die Zitronen und Orangen direkt vom Baum pflücken, und bereits Ende Januar überzieht die Region ein weißes Blütenmeer der Mandelbäume.
Vor langer Zeit, so sagt die Legende, als das Land noch von den Mauren beherrscht wurde, nahm König Ibne eine schöne Prinzessin aus dem Norden Afrikas zur Frau. Doch im Winter sehnte sich Gilda nach dem Schnee des Atlasgebirges in ihrer Heimat zurück, und so ließ der König unzählige Mandelbäume pflanzen, die von nun an zur gleichen Jahreszeit die Landschaft in ein Kleid so weiß wie Schnee tauchen.



Der Strand von Albufeira.
Foto: José Manuel / ICEP Portugal

Wer an die Algarve reist, landet in der Regel mit dem Flugzeug in Faro, der Hauptstadt der Algarve. Doch für die meisten bleibt von diesem Ort mit seinen rund 30.000 Einwohnern nur das vorgelagerte Naturschutzgebiet Ria Formosa in Erinnerung – eine einzigartige Hafflandschaft, die sich beim Landeanflug auf dem stark frequentierten Touristen-Flughafen in ihrer ganzen Pracht ausbreitet.
Danach strömen die Urlauber rasch in die Hochburgen nach Albufeira, Praia da Rocha und Vilamoura und lassen die verkannte Stadt einfach links liegen Dabei offenbart Faro seinen unwiderstehlichen Charme beim Bummel durch die Einkaufsstraßen mit den typischen Cafés und beim Spaziergang durch die historische Altstadt, in der auf dem Eingangstor Arco da Vila noch Störche nisten und der mühselige Aufstieg zum Glockenturm der Kathedrale Sé mit einem fantastischen Rundblick auf das Zentrum mit seinem idyllischen Yacht- Hafen belohnt wird. Von hier aus empfiehlt sich auch ein Abstecher zum Palast von Estói – einem verwunschenen Märchenschloss aus dem 18. Jahrhundert, an dem zwar der Zahn der Zeit kräftig genagt hat, aber die Schönheit der Azulejos, der für Portugal so typischen Kachelbilder, nichts von ihrem Zauber eingebüßt hat.

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Faro teilt die rund 150 Kilometer lange und etwa 40 Kilometer breite Algarve quasi auch geografisch in zwei unterschiedliche Küstenabschnitte. Nach Westen zieht sich bis Cabo São Vicente der Barlavento mit den unvergleichlichen steilen Felsformationen, die von unzähligen Badebuchten unterbrochen werden. Nach Osten zur spanischen Grenze Rio Guadiana öffnet sich der Sotavento zu endlos langen Sandstränden mit vorgelagerten Lagunen. Hier hat sich der Tourismus noch nicht gar so breit gemacht, so dass sich Tavira seinen Ruf als Klein- Venedig der Atlantikküste bewahren konnte. Und in das nüchterne Grenzstädtchen Vila Real de Santo António stürmen mit Vorliebe die spanischen Nachbarn, die sich dort bei regelrechten Einkaufsfahrten mit Bettwäsche, Nippes und Regenschirmen (!) preiswert eindecken.



Fischerboote im Hafen von Sotavento.
Foto: Regiao de Turismo do Algarve

Inzwischen ist auch ein bisheriges Nadelöhr beseitigt: Die neue, gebührenfreie Schnellstraße „Via Do Infante“ verläuft von der spanischen Grenze in Ost-West- Richtung bis kurz vor Lagos bzw. Sagres. Damit ist die Verbindung von der – gebührenpflichtigen – Autobahn A2 aus Richtung Lissabon kommend geschaffen. Von Sagres aus sind es nur noch wenige Meter zum südwestlichsten Zipfel Portugals, zum Leuchtturm am stürmischen Cabo São Vicente. Beim Blick auf die ständig sich brechenden Wellen lässt sich erahnen, welch Wagemut einst dazu gehörte, als sich die Portugiesen aufmachten, um von hier aus die Welt per Schiff zu erobern.

Wer sich von seinem Badetuch am Strand oder am Hotelpool loseisen kann, wird zu einer Erkundungstour ins hügelige Hinterland aufbrechen. In die Serra de Monchique beispielsweise. Sanft schlängelt sich die Straße von der quirligen Einkaufsstadt Portimão vorbei an Korkeichen und duftenden Eukalyptus- Wäldern hinauf nach Caldas de Monchique, einem verschlafenen Kurort mit sprudelnder Heilquelle gegen Rheuma und Magenleiden. Weiter führt der Weg nach oben zur höchsten Erhebung der Monchique-Berge, dem Foia mit 902 Metern Höhe. Wenn die Sicht klar ist, wird die Auffahrt durch einen fantastischen Blick über die Küste belohnt.

Aber auch sonst warten Überraschungen in den kleinen Kneipen und Restaurants links und rechts der Straße. Kenner, die die unverfälschte, ursprüngliche Küche schätzen, werden den luftgetrockneten Schinken mit selbst gebackenem Bauernbrot, das pikant gewürzte, gegrillte Piri-Piri-Hähnchen und zum Nachtisch das handgemachte Marzipan zu einer Bica, dem portugiesischen Espresso, vollmundig genießen. Längst hat sich der Reiz der Algarve, die so wunderbar Erholung mit  sportlichen Aktivitäten und kulturellen Ausflügen verbindet, auch bei Prominenten herumgesprochen.

Ob Udo Jürgens, Dagmar Koller mit ihrem Ehemann Helmut Zilk, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Wien, oder der Literaturnobelpreisträger Günter Grass – sie alle ziehen es vor, sich diskret in ihren Villen zu entspannen und neue Energien zu tanken. Denn schließlich scheint die Sonne nachweislich länger als in Kalifornien: nämlich über 3.000 Stunden im Jahr. Und das einmalige Licht, das viele Künstler inspiriert, lässt die landestypischen weißen Häuser mit ihren pittoresken Schornsteinen im azurblauen Himmel erstrahlen.

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Quelle: ICEP Portugal / bearbeitet von pairola-media


 
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