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Flusskreuzfahrt östlich der Sonne
Veröffentlicht am Sonntag, 26.Februar 2006 um 08:25 Uhr
Thema: Reiseberichte
Jakutisches Abenteuer: Flusskreuzfahrt östlich der Sonne
Auf der ostsibirischen Lena durch Taiga und Tundra zum Eismeer
Sonnenunter- und -aufgang in einem – während des 8.000-Kilometer-Fluges von Moskau ins fernöstliche Jakutsk kann man das erleben.
Am frühen Morgen, auf 62 Grad nördlicher Breite, aeroflotte Schleifen über einem Labyrinth von Flussarmen, waldüberwucherten Inseln mit hellen Sandbänken und -stränden: unter uns die Lena, Russlands und Sibiriens mächtigster Fluss.

Jakutsk: Wo einst Abenteurer, Verbannte, Kaufleute und Pelztierjäger hausten, heute ein weit-flächiges Industrie-, Verwaltungs- und Wissenschaftszentrum.
Im sommerlichen Auftauboden versunkene schiefe Holzhütten. Daneben modernen Wohnmaschinen in Plattenbauweise auf Betonstelzen. Oberirdisch verlaufende Fernheizungsleitungen mit dicker Ummantelung verraten, dass wir uns geografisch im Gürtel des zu 100 Prozent gefrorenen Bodens bewegen.
Im Permafrost-Institut steigen wir in einen Stollen hinab, in dem uns bei minus vier Grad der Hauch der Eiszeit anweht. Bis zu 800 Meter reicht das quartäre Eis in die Tiefe. Eine Mam-mut-Skulptur vor dem Gebäude steht als Symbol dafür. Erforscht wird hier alles rund ums Bodeneis, vor allem unter Praxisbedingungen Straßen-, Bahn- und Hausbau. In der Nähe des Kältepols auf dem festen Land (-71°C bei Ojmjakon) und bei Wintertemperaturen um minus 50 bis minus 60 Grad, die alles tiefgefrieren lassen, geradezu eine Lebensnotwendigkeit.


Drushba oder zu Deutsch: Freundschaft! Mit köstlich-ofenfrischem Brot, das sich jeder der Neuankömmlinge aus einem großen Laib, angeboten von einer Jakutin in Tracht, herausbricht und Salz darüber streut, begrüßen uns Kapitän Wladimir Nikolajewitsch Subakov und seine Besatzung nach traditioneller Art. Tragflächenboote umschwirren lautstark unseren Liege-platz, den Wasserbahnhof von Jakutsk.

Wo der Urmensch hauste
Dreimal lang dröhnt das Typhon über den Hafen: das Auslaufsignal. An Kaianlagen mit hin und her schwenkenden Kränen aus Eberswalde und bis zu 5.000-Tonnen großen See-Binnenschiffen vorbei rauscht die „Michail Svetlov“ dem großen Strom entgegen. Über Nacht geht es „zu Berg“, also flussaufwärts.
148 Kilometer von Jakutsk entfernt macht das Schiff unmittelbar am Strand des rechten Steil-ufers, dem Prallhang, fest. Diring-Yrjach nennt sich die Minisiedlung aus Zelten und Block-hütten, in der Archäologen leben und arbeiten. Nach einem steilen Aufstieg mit weiten Aus-blicken über das grün-blaue Lena-Tal steht man urplötzlich vor Grabungslöchern auf der obersten Flussterrasse. Der uns führende russische Wissenschaftler berichtet, dass an dieser Stelle 1982 Beweise für frühes menschliches Leben entdeckt wurden, die seine Kollegen auf zwei bis drei Millionen Jahre datierten. Hier also streifte der Urmensch umher.


Ganz andere, nämlich angsteinflößende Spuren aktuellen Lebens entdecke ich während mei-ner anschließenden Taiga-Wanderung über Preißelbeeren-Teppiche und Pilzkolonien: noch frische Tatzenabdrücke von Bär und Wolf. Über den 80 Meter hohen Steilhang gleite ich schleunigst zum sicheren Lena-Strand hinab. Das über dem Permafrost lagernde Lehm-Sand-Gemisch erleichtert meine eisige Rutschpartie – kurioserweise hinein ins warme Flusswasser. Später werden plus 18 Grad gemessen. Verwirrend und erstaunlich zugleich, diese ersten Si-birien-Erfahrungen.

Verzauberte Felsnadeln
Fünf Stunden flussaufwärts. An Bord zieht sich kilometerlang eine über 100 Meter hohe Felsphalanx hin. Erosion und Frost haben gewaltige Steinschlösser, Türme, Nadeln und Höh-len in den rötlich schimmernden Kalkstein modelliert. Für die Jakuten hingegen beginnt hier das Reich der Zauberer, von bösen und guten Geistern. In seinem Buch „Die Fahrt nach Jakutsk“ schreibt Nikolay Schuchin vor rund hundert Jahren: „Wenn die Touristen durch die Welt reisen, um starke Eindrücke zu bekommen, würde ich ihnen raten, die Lena-Felsen zu besichtigen. Menschliche Gleichgültigkeit würde hier eine neue Erschütterung in ihrem Herzen erleben.“
Seilgesichert hangeln wir uns auf den Gipfel in 280 Meter Höhe hinauf und werden für unsere Mühe belohnt: mit einem Panoramablick auf Fels, Taiga und Fluss, von der Abendsonne in ein fast unwirkliches Licht getaucht.
Wie aus dem sibirischen Bilderbuch erscheint die Landschaft auf der Insel Rassoloda, der vierten Anlegestelle. Sattgrüne Wiesen, locker von Birken- und Weidengebüsch durchsetzt, leuchten in allen Blütenfarben des Sommers. Wer hätte hier sogar Edelweiß- und Enzianfelder vermutet? In der kräuterduftenden Reinluft schwirren Riesenlibelle. Eine Herde kleinwüch-sig-stämmiger Pferde tummelt sich ausgelassen in diesem Natur-Garten.


Zwischen BAM und Sperrgebiet
Kurz vor Jakutsk, diesmal „zu Tal“, also flussabwärts, passieren wir Brückenfundamente. Die Menschen hier wollen keinen Bahnanschluss an die Welt. Ihre Ängste: Die Umweltzerstörun-gen in dieser empfindlichen subarktischen Region würden zu einschneidend sein.
Gegen 02:00 Uhr früh auf 66 1/3 Grad nördlicher Breite – der Himmel glüht noch vom grandiosen Farbschauspiel des Sonnenuntergangs – passieren wir als den Polarkreis in Jakutien. Die Feier wird auf die Rückfahrt verschoben, wenn volles Tageslicht herrscht.
Bis zur Wende noch absolutes militärisches Sperrgebiet, wurden irgendwo in der Weite der Region vor Jahren Atomwaffen getestet. Russen an Bord munkeln, dass Tiere und Pflanzen gelitten hätten. Die vielen Baumskelette am Ufer deuten anscheinend darauf hin, was aber auch andere Ursachen haben kann, wie zum Beispiel lang anhaltende Trockenheit, Luftverschmutzung als Folge von Abgas-Ferntransporten, natürliches Absterben durch Ü-beralterung.
Mit 25 „Sachen“ rauschen wir stromabwärts. Seit dem frühen Morgen haben sich vor unserem Kabinenfenster an Steuerbord die dunklen, aber weich konturierten Ausläufer des Wercho-jansker Gebirges aufgebaut. Unser Schiff schlägt einen Haken nach Backbord – und biegt in einen Flussarm ein. Der entpuppt sich als Mündung des mit 2.650 Kilometern längsten linken Lena-Nebenflusses, des Vilyj.

Ufer-Abstecher
Wir sitzen gerade beim Frühstück, als das Geschirr plötzlich scheppert und es unter uns heftig rumpelt: Grundberührung! Was auch kein Wunder ist bei dieser jungfräulichen Route durch die Wildnis. Das Festmachermanöver mitten im Taiga-Urwald ist ein hartes Stück Arbeit für die Matrosen, bis das 1.400-Tonnen-Schiff sicher an Bäumen und im Frostboden vertäut ist. Hart auch wegen der Myriaden von Mücken, die sich auf die Männer stürzen.
Im Nu ist die Reling besetzt von Petrijüngern, an deren Angeln alsbald pfundschwere Fische zappeln. Andere versuchen, in den Wald einzudringen, der weglos, sumpfig und schier undurchdringlich erscheint.
Mit einem der beiden Motorbeiboote tuckern wir zu einer blendend weißen Sandbank hin-über. Besatzungsmitglieder werfen ein Schleppnetz aus, während wir uns textilfrei im Flusswasser treiben lassen und vor der sonnenbestrahlten Traumkulisse aus Polar-Urwald, feinsandigem Malediven-Sandstrand und Gebirgsmauer aalen – und das mitten im Herzen Ostsibiriens.


Die Fischsuppe zum Mittag, im Freien kredenzt, mundet vorzüglich, vorausgesetzt man hat seine Haut mit Anti-Mückenmitteln vor Überfällen geschützt.
Durch einen Wellen aufwerfenden Gewittersturm mit dramatischen Quellwolkentürmen steuern wir die kleine Fischer- und Jägersiedlung Natary an. Sie thront auf einer Kaskade von über 25 Meter hohen Schotterterrassen, Indikatoren für unterschiedliche Wasserstände, und ist damit vor Überschwemmungen sicher. Jurten, Zelte und Blockhütten prägen das Bild dieses Sommerfleckens von Mai bis September. Im Winter leben die Menschen auf einer 200 Kilometer entfernten Kolchose, wohin sie einst zwangsumgesiedelt wurden. Dort gehen die Kinder auch zur Schule. Eine Jakutin begrüßt uns mit noch warmem Brot aus dem Steinofen. In einem Zelt hat sie Kaviar und geräucherten Stör ausgebreitet.


Auf einem Hügel der Friedhof mit hölzernen Grabkäfigen und gekippten verwitterten Kreu-zen. Tief unter uns ankert das Schiff – Zeuge einer anderen Welt – in der Natara-Mündung, die so manchen zum ersten Bad jenseits des Polarkreises einlädt.
Nach 350 Kilometern Flussfahrt wandelt sich allmählich das Landschaftsbild: Die Taiga „franst“ immer mehr aus, bis schließlich die baumlose Tundra in dieser klimabedingten „Kampfzone“ die Oberhand gewinnt.

Dorfleben hautnah
Landgang im 2.000-Seelen-Dorf, hier schon eine Stadt, Kysyr. Der akutische Ortsvorsteher höchstpersönlich führt uns. Fischer, Jäger, Pelz- und Rentierzüchter leben hier. Holzhäuser im sibirischen Stil dominieren. Die tiefgründig aufgetauten Wege werden auf Holzstegen passiert, über deren schiefe, abgesackte Planken man sich nur balancierend fortbewegen kann. Zottige Schlittenhunde kläffen uns aus ihren Käfigen an; Fische flattern zum Trocknen auf der Wäscheleine; selbstkonstruierte Schnee-Tundra-Mobile auf unförmigen LKW-Ballonreifen warten auf eisige Zeiten; hinter allen Fenstern üppiges Gurken- oder Tomatengrün; kieloben lagern Boote auf Schuppendächern; Marx-, Engels- und Leninbilder beherrschen noch immer die öffentliche Szene, aber auch hölzerne jakutische Totempfähle neben einem Denkmal für die Rote Armee. Krasser geht es nicht!
An einer Hausecke bietet einer unserer Matrosen Gummistiefel an, die reißenden Absatz finden. Schnelle sibirische Rubel. Die Regale im örtlichen Magasin hingegen sind gähnend leer.
Schule und Kindergarten präsentieren sich in vorbildlichem Zustand, denn die Gemeinde ist nicht gerade arm. Fisch, Blaufuchsfelle, Rentierprodukte und Fleisch werden per Schiff in den Westen Rußlands und weiter transportiert – einträgliche Geschäfte.

Ayers Rock Sibiriens
Am Nachmittag wird es eng: Wir dampfen durch die „Röhre“, die mit zwei Kilometern schmalste Stelle zwischen zwei Bergzügen, deren steile Felsflanken bizarr geformt sind.
Spät abends steuern wir auf 72 Grad Nord die monolithische Insel Stolp (der „Pfahl“) an, auch „Ayers Rock Sibiriens“ genannt. An diesem nördlichsten Punkt der Reise wird geankert. Eindrucksvoll die Silhouette des Felsklotzes, der das Antlitz eines Mädchens darstellen soll, das aus Liebe zu Stein erstarrte. So die jakutische Legende. Kontrastprogramm dazu: zwei wissenschaftliche Vorträge über Sibirien, die Lena und die Laptev-See. Wir haben das gut 300 Kilometer breite, gewaltige Lena-Delta erreicht. Glutrot versinkt die Sonne gegen Mitter-nacht hinter einer Insel, um schon eine halbe Stunde später gleißend wieder aufzutauchen. Eine Polarrobbe führt uns ihre eleganten Wasserspiele vor, vielleicht auch, um zu signalisieren, dass wir in den Arktischen Ozean einlaufen. Die treibeisübersäte Laptev-See bringt unsere „Michail Svetlov“ mit ihrer Dünung zu sanftem Rollen. Dann eine Schifffahrtsrarität: die Tankstelle zur See. Frühmorgens gehen wir längsseits von einem Tanker, der den Sommer über hier vor Anker liegt als schwimmende Bunkerstation. 25 Tonnen Dieselöl werden von einem in den anderen Schiffsbauch gepumpt.

Endstation: Hoacharktis
Hinter einer Landzunge mit vereister und verschneiter Küste grüßt nach 2.000 Kilometern Lena-Fahrt die Hafenstadt Tiksi herüber, Meerestor Jakutiens, Polar- und Militärstützpunkt, Verkehrsknotenpunkt der russischen Arktis. Antennenwälder und riesige Radarschüsseln auf den Hügeln ringsum, manche wollen auch Raketenstellungen erkannt haben, zeugen noch von Sperrgebietszeiten. Eisverstärkte Arktis-Spezialfrachter laden Holz für Japan von längsseits liegenden Flößen oder löschen Versorgungsgüter. Forschungsschiffe warten auf ihre nächsten Einsätze im Packeis.
Nach übergenauen Kontrollen – die Küste gilt als Grenzgebiet, immer noch – gehen wir an Land. Das eintönige Bullern eines gewaltigen Dieselgenerators zur Stromerzeugung überzieht mit seinem Lärm- und Abgasteppich die öde Betonstelzen-Stadt, dazu himmelhohe Staubwolken, gegen die Wassersprengwagen vergeblich ankämpfen. Ein Kapitän der russischen Polarflotte führt uns durch seine Stadt. Im Vorraum zur Post wird uns Wodka an-geboten, am Schalter zu unserem größten Erstaunen bis dato streng geheime Satellitenfotos vom Lena-Delta.


Am Hafen wird das ungewöhnliche Schiff von fröhlichen Kindern umlagert, Erwachsene hal-ten sich scheu abseits. Aus einem Militärkrankenwagen verkauft ein Offizier in Zivil Souve-nirs – eine rasche marktwirtschaftliche Reaktion auf touristische Bedürfnisse. Der junge jaku-tische Soldat wartet derweil geduldig.
Auslaufen am Abend. Vielarmiges Winken, spiegelglatte See und, wie schon seit Beginn der Reise, Traumwetter.

Alternative Delta-Insel
Dann die Nachricht, dass die Polarwetterstation Sokol im Bykowskaja-Nebenarm der Lena nicht wie geplant angelaufen werden kann. Ein gestrandeter Schleppzug blockiere die Anle-gestelle.
Zeit für ein ausgedehntes „Frühstück“ beim Kapitän, das sich von morgens bis abends hin-zieht und schließlich in der Sauna endet. Wir werden im russischen Dampfbad, der Banja, weich gekocht – inklusive „Auspeitschen“ mit Birkenreisig durch den nackten Kapitän. Der Arzt übernimmt die Massage des geschundenen Rückens..
Als Alternative wird Ust-Lenskij angesteuert, eine Delta-Insel mit biologischer Station. Wo-lodja, oberster Naturschützer und Freund des Kapitäns, lädt ein paar von uns in sein Haus. Kommentar seines Sohnes beim Anblick der „Michail Svetlov“: „Ich wusste gar nicht, dass Onkel Wladimir so ein großes Motorboot hat.“ Größere als die seines Vaters hat er vorher noch nicht zu Gesicht bekommen.


Wir erfahren, dass das von Wolodja und seinen Helfern zu beaufsichtigende Delta-Gebiet umfangreicher ist als die Schweiz und die Benelux-Staaten zusammengenommen. Das gehe letztlich nur per Motorboot und Hubschrauber, der einmal pro Woche von Tiksi herüber komme und auch Versorgungsgüter bringe. Ansonsten fühlen sich alle hier draußen sehr wohl.
Der Imbiss ist reichhaltig und demonstriert, wie man sich weitgehend selbst versorgen kann: roher und gekochter Zander, frisches Brot, Butter, Kaviar, eingelegte Tomaten, Rentierleber und -fleisch, beides roh, Tee; Wodka hilft nach, wenn wir uns nicht zur arktischen „Rohkost“ überwinden können, zu der man uns drängt.
Die Tundra-Wiese rings um die Hütte steht in voller Blüte, dazwischen eingesprenkelt von schneeweißen Wollgrasbüscheln umkränzte tiefblaue Auftauseen, die zum Baden locken. Vor einem Monat waren sie noch eisbedeckt. Eine urige Saunahütte verspricht heiße, winterliche Polarnächte. Der Boden der Insel ist zerfurcht von einem Gittermuster in Vieleck-Form, auch Riesenpolygone genannt. Die geballte Kraft von Hochwasser und Treibeis haben die Küste aufgeschlitzt. Überhängende tiefbraune Torfschollen kippen ab und gleiten auf blankem Bodeneis an den (Bade-) Strand, den wir auch hier auskosten.
Wolodja spendiert frisch gefangenen Zander zum Abendbrot als Dank für unseren Besuch, der Abwechslung für ihn und seine Familie gewesen ist. Dreimal lang dröhnt das Typhon zum Abschied über die Tundra. Das Häuflein Menschen schrumpft armeschwenkend auf einen Punkt in der Einöde zusammen.

Kohle, Wodka und Taufe
Sangar, die Siedlung im jakutischen Donbass, liegt auf den mächtigsten Kohlelagerstätten des Landes. Umgerechnet 200 Euro verdienen sie im Tagebau, so ein paar Kumpel, die mit ihrem klapprigen Moskwitsch vor dem Schiff auf Kunden lauern: Wodka gegen Aufkleber und an-dere West-Souvenirs. Ja, der Lohn sei zwar gut, aber dafür kaufen könne man kaum etwas. Ihren Frust ertränken die kräftigen Männer mit Händen wie Kohlenschaufeln im Alkohol. Sie arbeiten in sechsstündigen Schichten, fördern 1.000 Tonnen am Tag und können sich mit 50 Jahren pensionieren lassen. Finnland bemühe sich um den Aufkauf der Kohle, auch wenn sie eisbedingt nur drei Monate im Jahr verschifft werden kann.


Unterwegs nach Süden tauchen wir noch einige Male ab in der grandiosen Natur, sammeln Mengen von wilden Johannisbeeren als Vitamin-C-Spritze, Pilze, durchstreifen den Urwald, angeln oder genießen das arktische Badevergnügen an Dünenufern. Ein russisch-jakutischer Märchenabend darf dabei nicht fehlen, ebenso wenig ein Museumsdorf und Volkskunst.
Schwimmend passieren wir bei der Agrafena-Insel den Polarkreis und feiern die „Taufe“. Zu den Akkordeonklängen von Boris tanzen wir um ein Freundschaftsfeuer und genießen Gegrilltes.
„Ein letzter Blick durchs Hafenbecken könnt´ Abschiedsschmerz und Wehmut wecken“, for-muliert eine Schweizer Mitpassagierin in einem Gedicht ihre Gefühle am Ende dieser außergewöhnlichen Reise. Kultur und Natur haben sich dabei ideal ergänzt, denn das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Undenkbar auch ohne die Möglichkeit, dies alles mit einem Schiff zu erkunden und dabei ein echtes Stück Jakutien kennenzulernen.  
        

von Dr. Peer Schmidt-Walther

 

Dr. Peer Schmidt-Walther: ABENTEUER FRACHTER;
212 Seiten, 219 Fotos;  Format 21 x 21; gebunden (Hardcover) mit Schutzumschlag: 24.80 €; Scheunen-Verlag, 18317 Kückenshagen
ISBN: 3-934301-82-7


 
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